Fensterfunkeln – ein weihnachtliches Quizkonzert ist der zweite Erarbeitungsteil der Stadtteiloper „Plattenspieler:innen“. Von Oktober bis Dezember 2025 erarbeiteten rund 120 Kinder und Jugendliche des Musaik-Orchesters gemeinsam mit den Lehrenden von Musaik ein ungewöhnliches Konzertformat, das Musik, Stadtteilgeschichte und Publikumsinteraktion verband.
"Leben im Plattenbau" – da erscheint vor dem inneren Auge ein Bild. Und man meint vielleicht zu wissen, wie das Leben hinter der Vielzahl von Fenstern, die sich aneinanderreihen, aussieht. Das Bild vom Leben im seriell gebauten Hochhaus setzt sich aber viel zu häufig aus Vorurteilen zusammen. Im Projekt "Fensterfunkeln“ wollten wir uns intensiv mit dem Thema Plattenbau und dem Wohnen darin beschäftigen, um genau dem entgegenzuwirken. Die allermeisten Teilnehmenden des Musaik-Orchesters in Prohlis leben in der „Platte“ – es ist ihre Lebensrealität. In unserem Projekt setzten sich die Kinder und Jugendlichen mit alten und aktuellen Geschichten der Bewohnerinnen und Bewohner der Plattenbauten, mit serieller Bauweise und serieller Musik, mit ihrer eigenen Wohnsituation und mit Musik aus der Entstehungszeit der Gebäude auseinander.
So war das Weihnachtskonzert am 18. Dezember eine spannende Quizshow: Wie bei einem Adventskalender öffneten sich im Laufe des Abends animierte „Fenster“ der Prohliser Plattenbauten und gaben Einblicke in Architektur, Geschichte und persönliche Geschichten der Bewohner:innen. Neben Werken wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", „Pruit Igoe“ von Phillip Glass und einer Hochhaus-Fahrstuhl-Improvisation spielte das Musaik-Orchester weihnachtliche und winterliche Stücke wie "Tausend Sterne sind ein Dom" und ein Satz aus Vivaldis Winter. Die Hochhäuser wurden so nicht nur als architektonisches Wahrzeichen, sondern als lebendige Lebensorte gezeigt. Das Publikum konnte über eine Quiz-App oder analoge Methoden miträtseln.
Der Prohliser und Naturwissenschaftler Johann Georg Palitzsch (1723-1788) und Napoleon stehen für Mut zur Veränderung: Napoleon kämpfte gegen gesellschaftliche Ungleichheit, Palitzsch gegen festgefahrene Denkweisen in der Wissenschaft. In Teil 3 der Prohliser Stadtteiloper „Revolution trifft den Ton - Prohlis, Palitzsch und Napoleon“ entwickelten die Kinder und Jugendlichen des Musaik-Orchesters Ideen und Wünsche für eine bessere Zukunft, ausgehend von Erfahrungen von Ungerechtigkeit in ihrem Alltag und Umfeld. Das Musaik-Winterprojekt hat gezeigt, dass Veränderungen Chancen und Risiken bergen und Gestaltung brauchen, um positiv zu wirken.
Wichtiger Teil und Abschluss des Projekts war eine Winterferien-Freizeit mit Kreativangeboten: In diversen Workshops beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen des Musaik-Orchesters mit dem Thema Revolution – unter anderem inspiriert von Napoleon. Sie gingen Fragen nach wie „Was braucht die Welt heute?“, „Wo müssen wir unsere Freiheit verteidigen oder dafür einstehen?“ oder „Was könnten wir in Prohlis verändern?“ Sie entdeckten ihre eigene Stimme und erfuhren, wie selbst kleine Schritte Großes bewirken können.
Musikalisch gab es eine Auswahl von Stücken, die Themen wie Umbruch, Aufbruch, Revolution transportierten: Dazu zählten „Do You Hear the People Sing?“ aus Les Misérables, ein Stück aus der West Side Story, Bella Ciao oder „Die Gedanken sind frei“.
Mehr Informationen zur Prohliser Stadtteiloper und Mitmachmöglichkeiten gibt es hier: